Jahresbericht 2025

Ein Angebot mit Fokus auf die Arbeitgebenden

Ein neues Angebot der IV-Stelle Kanton Bern soll das Verständnis für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz stärken. Arbeitgebende werden dafür sensibilisiert, psychische Belastungen ihrer Mitarbeitenden zu erkennen und darauf zu reagieren.


Warum zögern, wenn die IV unterstützen kann?

Psychische Belastungen und Erkrankungen treten immer häufiger auf. Sie sind nicht nur für die direkt Betroffenen eine Belastung, sondern stellen auch Arbeitgebende vor grosse Herausforderungen. Um diese erfolgreich zu meistern, ist es entscheidend, psychische Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und rasch zu handeln. Hier setzt das neue Angebot der IV-Stelle Kanton Bern an.

Der Start erfolgte 2025 als Projekt. In einem ersten Schritt ging es darum, die tatsächlichen Bedürfnisse der Arbeitgebenden – insbesondere von KMUs – zu ermitteln. Dafür wurde eine Umfrage an über 400 Arbeitgebende verschickt. Die erfreuliche Rücklaufquote von rund 30 Prozent zeigte deutlich: Das Interesse und der Bedarf an einem Unterstützungsangebot sind da. 38 anschliessend geführte, vertiefende Interviews ermöglichten es, die Erkenntnisse aus der Umfrage zu schärfen und die Erwartungen der Arbeitgebenden an die Unterstützung der IV noch besser zu verstehen.

Was sich Arbeitgebende wünschen
Nach der Auswertung der vielen Rückmeldungen wurden vier Hauptbestandteile, die das künftige Beratungsangebot abdecken sollte, identifiziert:

  • Eine niederschwellige Anlaufstelle, die fallunabhängige und anonyme Beratung bietet, konkrete schnelle Unterstützung ermöglicht und eine unkomplizierte Zusammenarbeit mit anderen Fachstellen sicherstellt.
  • Schulungen, die sowohl das Bewusstsein für die Firmenkultur auf strategischer Ebene stärken als auch das Wissens und die Kompetenzen auf operativer Ebene vermitteln.
  • Materialien wie Leitfäden und Checklisten, welche die Umsetzung im Alltag erleichtern.
  • Eine gute Vernetzung mit anderen Arbeitgebenden, Fachstellen und Anbietern ähnlicher Angebote, um eine koordinierte Unterstützung zu ermöglichen.

«Arbeitgebende wünschen sich eine unkomplizierte, schnelle und professionelle Unterstützung, wenn sie Fragen oder Anliegen zur psychischen Gesundheit ihrer Mitarbeitenden haben» fasst Projektleiterin Cornelia Siegel die bei den Befragungen am häufigsten genannte Erwartung zusammen. Deshalb will die IV-Stelle Kanton Bern hier einen Schwerpunkt im neuen Angebot setzen und ihre Rolle als kompetente Ansprechpartnerin weiter stärken.

Bereits vor der eigentlichen IV-Anmeldung handeln
Eine wichtige Möglichkeit dazu bieten die sogenannten Früherfassungsmeldungen. Diese können unabhängig von einer IV-Anmeldung gemacht werden – auch von Personen aus dem Umfeld einer betroffenen Person, wie Familienangehörige, Sozialdienste und eben auch von Arbeitgebenden. Einzige Auflage: Die betroffene Person muss über die Meldung informiert werden. Früherfassungen helfen, Berührungsängste und Hürden in der Kontaktaufnahme mit der IV abzubauen. Zudem bieten sie eine wertvolle Möglichkeit, bereits bei kurzen Arbeitsunfähigkeiten frühzeitig mit der IV in Kontakt zu treten und Unterstützung einzuholen. Je früher eine Meldung erfolgt, desto gezielter und wirksamer kann die IV unterstützen. Idealerweise können kurze, präventive Interventionen dazu beitragen, dass eine formelle Anmeldung gar nicht erst notwendig wird. Sollte eine Anmeldung dennoch erforderlich sein, kann sie auf diese Weise schneller und besser vorbereitet erfolgen. Gerade im Bereich der psychischen Gesundheit zeigt sich deutlich, dass frühzeitige Unterstützung längere Arbeitsunfähigkeiten wirksam verhindern kann.

Trotz ihrer grossen Wirksamkeit, werden Früherfassungsmeldungen bisher nur zurückhaltend genutzt. Deshalb soll das neuen Angebots sie stärker fördern. Dabei geht es nicht nur darum, die Anzahl solcher Meldungen zu erhöhen, sondern auch einen wirkungsvollen und praxisnahen Umgang damit zu stärken. Was das genau bedeutet, sollte ein Pilotversuch zeigen, der zwischen November 2025 und Februar 2026 durchgeführt wurde. Während der vier Monaten wurden Früherfassungsmeldungen von KMUs direkt von ausgewählten Case Managerinnen und Case Manager der IV-Stelle Kanton Bern übernommen. Sie haben Erfahrungen gesammelt und den gesamten Prozess reflektiert. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse werden nun im ersten Halbjahr 2026 neue Ansätze entwickelt, um die Früherkennung und die damit verbundene Unterstützung einfacher, niederschwelliger und praxisnäher zu gestalten.

Bis Ende 2026 wird das neue Angebot nun konkretisiert und verfeinert, damit die IV-Stelle Kanton Bern Arbeitgebenden bei psychischen Belastungen ihrer Mitarbeitenden noch besser Unterstützung anbieten kann, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind und den Betroffenen schnelle Hilfe ermöglichen.