Luca hatte die obligatorische Schule sowie das 10. Schuljahr abgeschlossen, tat sich aufgrund gesundheitlicher Probleme jedoch schwer mit der Berufswahl. So erfolgte die Anmeldung bei der IV. Thomas Steiner, Case Manager bei der IV-Stelle Kanton Bern, lud Luca zu einem Erstgespräch in die Zweigstelle Thun ein. Gemeinsam analysierten sie seine aktuelle Situation, besprachen Erwartungen und Möglichkeiten und legten die nächsten Schritte fest. Nach einer ersten Abklärungsphase wurden konkrete Massnahmen eingeleitet. An diesem Punkt kam die Institution SEEBURG ins Spiel – und damit auch Job Coach Samira Huber. Zusammen mit Luca prüfte die SEEBURG-Mitarbeiterin vertieft mögliche Berufsrichtungen. Dabei zeigte sich, dass Luca alles für eine Lehre als ICT-Fachmann mitbringen würde. Der Plan für seine berufliche Zukunft war somit gefasst. Doch vor seinem Berufseinstieg durchlief Luca eine gezielte Vorbereitung in der SEEBURG. Im Sommer 2025 starte er schliesslich seine Lehre.
Bausteine für den Erfolg
«Damit die Eingliederung gelingt, muss ein junger Mensch in erster Linie motiviert dafür sein, sich auch aktiv einzubringen», betont Samira Huber. Ebenso wichtig seien eine ausreichende gesundheitliche Stabilität sowie ein unterstützendes Umfeld mit verlässlichen Bezugspersonen. Gerade beim Übergang in die Berufswelt – etwa beim Start einer Lehre – sei eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend. Einfache Abläufe und eine gemeinsame, lösungsorientierte Haltung aller Beteiligten tragen zusätzlich zum Gelingen bei.
«Es braucht eine offene und direkte Kommunikation sowie klare und transparente Absprachen zu Erwartungen, Möglichkeiten und Grenzen. Das ist die Basis für eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit», findet auch Thomas Steiner. Und der IV-Case-Manager ergänzt: «Unvoreingenommen und respektvoll auf einander zugehen und gemeinsam die jeweiligen Möglichkeiten klären, erweist sich dabei stets als hilfreich.»
In ihrer Arbeit sind Institutionen und die IV oft auch mit grösseren Herausforderungen konfrontiert. Diese ergebe sich insbesondere durch Schwankungen in der gesundheitlichen Stabilität der Betroffenen. Aber auch die Suche nach geeigneten Praktikumsplätzen im ersten Arbeitsmarkt gestaltet sich mitunter als schwierig. «Es braucht viel Engagement, um Betriebe zu finden, die Menschen eine Chance geben oder sie später sogar fest anstellen würden», erklärt Samira Huber. «Begrenzte Kapazitäten in den Institutionen oder unrealistische Erwartungen an Unterstützungsmöglichkeiten seitens der betroffenen Person können den Eingliederungsprozess ebenfalls erschweren», ergänzt Thomas Steiner zwei weitere, mögliche Stolpersteine.
Luca selbst blickt positiv auf seinen Weg zurück: «Ich habe mich sowohl durch die IV wie durch die SEEBURG immer ernst genommen gefühlt. Ausgehend von meiner damaligen Situation konnte ich mir behutsam meiner Stärken und Interessen bewusst werden, mir Ziele setzen und am Ende meine Wunschlehre beginnen.»
Vera* findet einen Platz in der Digitalabteilung der GEWA
Eine andere Erfolgsgeschichte ist diejenige von Vera*. Auch hier lässt sich zeigen, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit zwischen der betroffenen Person, dem Job Coach der Institution – in diesem Fall die GEWA – und der Case Managerin der IV-Stelle Kanton Bern ist.
Aus Sicht der IV-Case-Managerin Angela Monteleone ist zentral, dass die betroffene Person jederzeit weiss, wo sie im Prozess steht und welche Erwartungen an sie gestellt werden. «Die Ziele können sich jedoch verändern. Umso wichtiger ist es, flexibel und vor allem einfühlsam darauf zu reagieren. Zudem braucht es Geduld – denn Eingliederung ist kein Sprint, und Neues zu lernen sowie aufzubauen, benötigt Zeit.»
Valention Deplano, Job Coach bei der GEWA betont: «Entscheidend ist eine partnerschaftliche und zielgerichtete Zusammenarbeit. Klare Rollen, offene Kommunikation und verbindliche Abmachungen schaffen Vertrauen und geben Orientierung. Durch eine enge Begleitung unterstützen wir sowohl die fachliche als auch die persönliche Entwicklung der betroffenen Person. Gleichzeitig sensibilisieren wir Arbeitgebende dafür, vorhandene Potenziale zu erkennen und geeignete Einsatzmöglichkeiten zu schaffen.»
Auch Vera hat diese Erfahrung gemacht: «Die Kommunikation war von Beginn an klar, und ich wusste jederzeit, wo ich stehe. Ich konnte mein Pensum flexibel anpassen, verschiedene Abteilungen kennenlernen und Neues ausprobieren. Während des Aufbautrainings habe ich einen Beruf entdeckt, der mich wirklich interessiert. Die regelmässigen Gespräche mit meinem Job Coach haben mir geholfen, Vertrauen in mich selbst zu entwickeln und meine eigenen Ressourcen zu stärken. Jetzt blicke ich motiviert auf meinen nächsten Schritt – meine Lehre.»
Individualität Raum geben, Verbindlichkeit einfordern
Luca und Vera haben ihren Weg gefunden. Ein einfaches Erfolgsrezept gibt es bei der Eingliederung jedoch nicht. Jede Situation ist individuell und es ist nicht immer alles vollständig planbar. Unterschiedliche Perspektiven – medizinische, therapeutische, soziale und berufliche – müssen aufeinander abgestimmt werden. Hinzu kommen gesundheitliche Schwankungen, Unsicherheiten bezüglich Belastbarkeit sowie sich verändernde Anforderungen des Arbeitsmarktes.
Trotzdem zeigen die Beispiele aus der SEEBURG und der GEWA, dass die Chancen auf eine erfolgreiche Eingliederung dort am grössten sind, wo alle Beteiligten eng zusammenarbeiten, Ziele klar definiert sind und die Kommunikation transparent erfolgt. Unter solchen Voraussetzungen können Menschen nach schwierigen Lebensphasen wieder Fuss im Arbeitsleben fassen, ihre Potenziale entfalten und langfristige Perspektiven entwickeln.
*Name geändert