Bern, 06.05.2026 –Die IV-Stelle Kanton Bern erweitert ihr Angebot, um die berufliche Integration von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen weiter zu stärken. Im Fokus stehen das Programm Moviia für junge Menschen. Grundlage für das Programm Moviia bildet eine Studie der Berner Fachhochschule zu Zielgruppen, Trends und Zusammenarbeit. Zudem erweitert die IV-Stelle die Zusammenarbeit mit Arbeitgebenden mit einem Pilotprojekt mit der Migros Aare sowie zugeschnittene Angebote für KMUs.
Die Invalidenversicherung hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer Rentenversicherung zu einem Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum für berufliche Integration entwickelt. Dadurch ist die Zahl der Rentenbeziehenden trotz Bevölkerungswachstum bis 2020 kontinuierlich gesunken. Seit 2020 steigt diese Zahl wieder an und nimmt vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit psychischen Belastungen überdurchschnittlich zu.
Gleichzeitig verändern sich mit der digitalen Transformation die Anforderungen der Arbeitswelt grundlegend. Als Antwort darauf hat die IV-Stelle Kanton Bern 2025 mit ihrer neuen Strategie einen noch stärkeren Fokus auf die Beratung und Begleitung ihrer Kundinnen und Kunden und Arbeitgebenden gesetzt. Damit gewichtet sie auch die Zusammenarbeit mit Unternehmen noch stärker, um Integrationschancen nachhaltig zu verbessern.
Moviia: eine neue Informations- und Beratungsdienstleistung
Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen oder neuropsychologischen Erkrankungen stehen beim Einstieg in Ausbildung und Beruf oft vor besonders hohen Hürden. Ihre Integration in Ausbildung und Arbeitsmarkt stellt alle Beteiligten vor grosse Herausforderungen.
Genau hier setzt die IV-Stelle an. Eine Studie der Berner Fachhochschule zeigt: Psychische Belastungen wie Depressionen nehmen zu und treten häufig im Zusammenhang mit unterschiedlichen Denk- und Wahrnehmungsweisen auf. Besonders betroffen sind junge Menschen in sensiblen Übergangsphasen.
Erfolgreiche Integration gelingt vor allem dann, wenn Unterstützung früh, koordiniert und transparent erfolgt. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Beteiligten, von Kliniken über Schulen bis hin zu Ausbildungsbetreiben und der IV. Gleichzeitig braucht es mehr Sensibilisierung im direkten Umfeld der Betroffenen.
Mit dem neuen Angebot MOVIIA schafft die IV-Stelle genau hier einen niederschwelligen Zugang: Die Plattform, deren Start für Ende August geplant ist, unterstützt Jugendliche, ihr Umfeld und Fachpersonen frühzeitig mit Orientierung, Beratung und Austausch, noch bevor eine formelle Anmeldung nötig ist. Ziel ist es, Probleme rechtzeitig zu erkennen und langfristige Ausgrenzung zu verhindern. «Gerade in jungen Jahren kann eine gut abgestimmte Unterstützung und individuelle Begleitung entscheidend sein», sagt Matthias Böni, Inklusionsspezialist Berufsbildung, Schweizerische Post AG.
Angebote für Arbeitgebende
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau gezielter Dienstleistungen für grosse Unternehmen. So konnte am 1. März 2026 ein Pilotprojekt mit der Migros Aare gestartet werden, welches bis Ende August 2026 läuft. «Die enge Zusammenarbeit im Pilotprojekt ermöglicht es uns, unsere Bedürfnisse direkt einzubringen und gemeinsam mit der IV passgenaue Lösungen zu entwickeln», erklärt David Blumer, Leiter Work Environment & Organisational Health, Migros Aare.
Parallel dazu hat die IV-Stelle Kanton Bern ihr Angebot für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gezielt weiterentwickelt – mit besonderem Fokus auf die psychische Gesundheit. Ziel ist es, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und rasch geeignete Massnahmen einzuleiten, um Arbeitsplätze zu sichern oder eine erfolgreiche Reintegration zu ermöglichen.
«Mit unseren Angeboten für eine Beratung und frühe Unterstützung wollen wir Hürden abbauen und dazu ermutigen, die IV frühzeitig einzuschalten. So können Arbeitsplätze für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen erhalten werden», sagt Bernadette Häfliger Berger, Direktorin der IV-Stelle Kanton Bern.