Krankgeschrieben: Was geht das meinen Arbeitgeber an?

Medienmitteilung vom 30. Mai 2018

 

Sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für längere Zeit krankgeschrieben, kann dies bei Unternehmen zu Unsicherheiten führen. Die IV-Stelle Kanton Bern lädt zusammen mit den Wirtschaftsverbänden Handels- und Industrieverein des Kantons Bern, Berner KMU und dem Verband der Arbeitgeber der Region Bern zu einem Informationsanlass.

 

Die IV-Stelle Kanton Bern führt seit sechs Jahren regelmässig Veranstaltungen für Arbeitgeber des Kantons Bern durch, mit dem Ziel, diese für das Thema der beruflichen Eingliederung zu sensibilisieren. Über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich für den diesjährigen Anlass vom 6. Juni 2018 im Kursaal Bern angemeldet. Das grosse Interesse erstaunt nicht, führen doch Arztzeugnisse immer wieder zu Diskussionen. Welche rechtlichen Aspekte sind zu beachten? Wie kann die Kommunikation zwischen Arbeitgeber, Arzt oder Ärztin und Mitarbeiter verbessert werden?

 

Kurt Mettler, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der SIZ Care, Zürich, zeigt in seinem Referat auf, wo die Stolpersteine bei den Arztzeugnissen liegen. Einerseits soll der Gesundheitszustand des Patienten, der Patientin durch den Arbeitsplatz nicht gefährdet werden, auf der anderen Seite kann sich eine Eingliederung verzögern, wenn der Mitarbeiter für längere Zeit nicht arbeitet. Mettler zeigt die unterschiedlichen Perspektiven der verschiedenen Protagonisten auf und plädiert für eine offenere Kommunikation zwischen Arbeitgeber und behandelndem Arzt. Oftmals ist die Arbeitsunfähigkeit rein arbeitsplatzbezogen und der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin könnte teilweise auch in einer angepassten Tätigkeit eingesetzt werden. Da Ärztinnen und Ärzte die Arztzeugnisse meist in Unkenntnis der beruflichen Anforderungen ausfüllen, kann die Rückkehr des Mitarbeiters an den Arbeitsplatz erschwert und verzögert werden.

 

Martin Kaiser, Präsident vom Netzwerk Compasso und Leiter Sozialpolitik und Sozialversicherungen des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes stellt eine mögliche Lösung dieses Problems vor. Mit dem von Compasso erarbeiteten Tool „Ressourcenorientiertes Eingliederungsprofil (REP)“ wird die Belastbarkeit des Mitarbeiters aus ärztlicher Sicht eingeschätzt. Dabei stehen nicht die Diagnosen im Vordergrund, sondern einzig der konkrete Abgleich der Anforderungen an den Arbeitsplatz mit den Möglichkeiten des Mitarbeiters bzw. der Mitarbeiterin.

 

Datenschutz und unterschiedliche Sichtweisen auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung verunmöglichen heute oftmals eine raschere berufliche Integration. Nathalie Christen, Bundeshauskorrespondentin SRF, diskutiert am Podiumsgespräch mit den beiden Referenten Kurt Mettler und Martin Kaiser sowie dem Arzt Dr. med. Adrian Göldlin, den Direktoren Bruno Schatzmann, Suva Bern, sowie Dieter Widmer, IV-Stelle Kanton Bern, über die Erfolgsfaktoren für eine berufliche Eingliederung und wie realistisch diese aufgrund der Entwicklungen in der Arbeitswelt zu werten sind.

 

Das Eidgenössische Improvisationstheater bringt den Dreiklang „Sollen – Wollen – Können“ auf eine humoristische Weise auf den Punkt. Das „Können“ liegt nicht nur in den Händen einer Einzelperson, alle sind gefordert, dass dies ermöglicht wird.

 

Kontakt:

Doris Aebi, Leiterin Kommunikation
Tel. 058 219 75 63, doris.aebi@ivbe.ch